Kestral
Nicht jeder genießt eine friedliche und liebevolle Kindheit. So auch nicht Kestral, deren Leben aus Flucht bestand. Ihr Vater war ein selbsternannter Diebeskönig, der nicht gezögert hat, alles und jeden zu bekämpfen, selbst wenn es die Situation nicht erforderte. Diese Wildheit führte dazu, dass er gefasst und wie ein gewöhnlicher Dieb hingerichtet wurde. Seine älteste Tochter lernte daraus, dass die wichtigste Gabe im Leben diejenige ist, sich seine Feinde und seine Schlachten sorgsam auszusuchen. Ihr Vater hatte gegen jeden das Schwert erhoben, doch Kestrel ging besonnen in Auseinandersetzungen. Wenn es unumgänglich war und es auch eine Aussicht auf Erfolg gab, kämpfte sie. Doch gab es eine leichtere und elegantere Lösung für ein Problem, wählte sie diesen Weg.
Diese flexible Moral hat ihr viel Ansehen und Verantwortung eingebracht. Für die Lords ihrer Lande war sie als Söldnerin zu Diensten, als wandernder Ritter und als Bandit. Kestrel folgt bedingungslos dem Ruf des Profits, und ihr Gewissen spricht deutlich leiser als das von Elias. Nach außen folgt sie der Maxime: “Stiehl genug, damt du großzügig sein kannst”. Doch in Wirklichkeit kümmert sie sich auch um die Siedler. Wer Seite an Seite mit ihr gekämpft hat, berichtet von ihrer Großzügigkeit, die sich unerwartet zeigen kann. Und wer sie sich zum Feind gemacht hat, wundert sich über ihr schnelles Verschwinden und fragt sich, wo seine Habseligkeiten geblieben sind.

Kestral würdigt Stärke, doch tief in ihrem Herzen strebt sie nach Ausgeglichenheit und Stabilität. Sie sieht die Welt als eine Wildnis voller Bestien, in der mehr Dunkelheit als Licht herrscht. Hier muss man stark sein und sich auf die eigenen Fähigkeiten verlassen, wenn man überleben will. Selbst wenn sie lacht, Witze reißt und gesellig wirkt, wodurch sie den Egos der anderen Ritter schmeichelt, bleibt sie auf der Hut und hält sich für den Tag bereit, an dem etwas schief läuft und sie wieder ihren eigenen Weg gehen muss.